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Die Entdeckung der Bedeutsamkeit nicht-gemeinsamer Umwelterfahrungen ist von weitreichender Bedeutung für das Verständnis der Art und Weise, wie Umweltfaktoren zur Entwicklung beitragen.
Man ging immer davon aus, dass bestimmte Einflussfaktoren, in denen sich Familien voneinander unterscheiden (Bildungsgrad der Eltern, Qualität der elterlichen Beziehung, ...), im Hinblick auf die kindliche Entwicklung von hoher Bedeutung sind.
Aus der neuen Betrachtungsweise folgt jedoch, dass diese Faktoren, insoweit sie Geschwister gleich beeinflussen, keinen Einfluss auf die Entwicklung des Verhaltens haben können. Diese Faktoren mögen wichtig sein, doch nur insoweit, als ihr Einfluss von den Kindern innerhalb der Familie nicht in gleicher Weise erfahren wird.
Diese Idee ist derart revolutionär, dass sie nur schwer zu erfassen ist.
Erfahrungen, die von den Geschwistern gemeinsam gemacht werden, können nicht bedeutsam sein, weil sie, wenn sie bedeutsam wären, die Geschwister einander ähnlich machen würden.
Beispiel: Wenn etwa die gemeinsame Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht für den IQ
wichtig wäre, dann würde sie Geschwister innerhalb einer Familie und auch
Adoptivgeschwister einander ähnlich machen. Solche gemeinsamen
Umwelteinflüsse sind aber langfristig nicht bedeutsam, weil sich ältere Geschwister
im IQ keineswegs ähnlich sind, abgesehen von der minimalen vererbten Ähnlichkeit.
Man muss mehr als ein Kind pro Familie untersuchen, um zu verstehen, warum Kinder in derselben Familie so verschieden sind. Nur auf diesem Weg können wir die verschiedenen leben innerhalb der Familie erforschen und die nicht-gemeinsamen Erfahrungen identifizieren, die die kindliche Entwicklung entscheidend beeinflussen. Nur wenn wir untersuchen, wie und warum Geschwister jeweils unterschiedlich betroffen sind, werden wir verstehen, auf welche Weise scheinbar gemeinsame Faktoren wie der soziale Status die Entwicklung beeinflussen.
Dabei treten aber 3 Probleme auf:
1) es ist zu klären, auf welche Art sich die Erfahrungen und Erlebnisse von Geschwistern
unterscheiden (nur unterschiedliche Erfahrungen - und nicht die gemeinsamen -
können ihre Entwicklung unterschiedlich beeinflussen)
2) man muss herausfinden, in welchem Maße solche unterschiedlichen Erfahrungen die Entwicklung der Geschwister beeinflussen. Es kann durchaus Unterschiede in den Erfahrungen der Geschwister geben, die keinen Einfluss auf ihre Entwicklung haben. Wir müssen die Beziehungen zwischen unterschiedlichen Erfahrungen und deren Folgen für die Entwicklung erforschen.
3) Trennung von Ursache und Wirkung
Man kann nicht einfach sagen, dass unterschiedliche Erfahrungen unterschiedliches Verhalten hervorruft, denn es könnte genauso gut sein, dass unterschiedliches Verhalten zu unterschiedlichen Erfahrungen führt.
Beisp: Unterschiedliche mütterliche Zuwendung beeinflusst Selbstwertgefühl
. Unterschiedliche mütterliche Zuwendung kann zu Veränderungen des Selbstwertgefühls der Kinder führen
. Selbstwertgefühl der Kinder kann zu unterschiedlicher mütterlicher Zuwendung führen
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