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Der Begriff "Kognitive Motivation" wird in der Literatur in mindestens zwei klar zu unterscheidenden Bedeutungen gebraucht bzw. auf zwei verschiedene Phänomene bezogen. Gemeinsam ist diesen Phänomenen lediglich, dass sie beide in der neueren Psychologie erstmalig in der Auseinandersetzung mit dem vornehmlich von HULL vertretenen Triebreduktionsmodell Beachtung finden. TOLMAN zeigt zwei Argumente auf, die der doppeldeutigen Verwendung des Begriffs zugrunde liegen:
- Kognitive Prozesse: Verhalten ist zielgerichtet und von Erwartungen und anderen kognitiven Prozessen gelenkt. Von hier führt eine Linie zur Erwartungs - Wert - Theorie der Motivation und ihrem bevorzugten Exempel, der Leistungsmotivation.
- Kognitives Verhalten: Tiere zeigen in Labyrinthversuchen spontanes Explorationsverhalten, das von der auf Bedürfnisse wie Hunger, Durst oder Sexualität Triebreduktionstheorie nicht hinreichend erklärt werden kann. Dieses Phänomen ist Gegenstand der Neugierforschung, die ein eigenständiges Motivationssystem postuliert.
Leistungsmotivation und Neugier werden häufig als Formen "kognitiver" oder auch "intrinsischer Motivation" bezeichnet, weil derartige Verhaltensweisen nicht an Bekräftigungen der Triebreduktionstheorie (Nahrung, sexueller Kontakt u.ä.) gebunden sein müssen. Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit den kognitiven Prozessen, die zielgerichtetes Verhalten bedingen und beeinflussen. Grundsätzlich lassen sich zwei theoretische Traditionen voneinander unterscheiden:
a) Die Theorien von LEWIN, TOLMAN und ATKINSON, die das Erwartungs-Wert-Modell charakterisieren bzw. ihm zugeordnet werden.
b) Kausalattributierungen, die Personen im Alltag als Schemata für Verhaltenserklärungen benutzen (siehe folgendes Kapitel).
Für beide Forschungsgegenstände ist die Leistungsmotivation zum vielzitierten Beispiel geworden: Die Konzepte "Erwartung" und "Wert" und deren Beziehungen wurden in der Theorie der Leistungsmotivation weitestgehend präzisiert. "Kausalattributierung" ist ein Bestandteil des Leistungsmotiv; notwendige Bedingung für die Genese des Leistungsmotivs ist die Fähigkeit zur Kausalattributierung, d.h. ein Kind muss in der Lage sein, einen Handlungseffekt auf sich selbst als Urheber zurückzuführen.
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