|
Man sollt nicht nur fragen, wie man das unerwünschte Verhalten abbauen, sonder auch, wie man das erwünschte Verhalten fördern kann. Kann man Situationen so gestalten, dass mit einiger Wahrscheinlichkeiten alternatives Verhalten stimuliert wird? Im Grunde ist uns eine solche Strategie aus dem Alltag geläufig: Man sucht z.B. eine Umgebung auf, die einen auf andere Gedanken bringt-. Sucht Zerstreuung und Ablenkung, um Ärger oder Langeweile wenigstens vorrübergehend zu vertreiben. Ähnlich geht man vor, um andere Menschen zu beeinflussen. Lehrer bemühen sich um einen interessanten, Unterricht-. Regierungen sorgen vielleicht durch Filme, sportliche Wettkämpfe usw. für gute Stimmung im Land. Es werden einige Beispiele beschrieben, bei denen es um das Ziel der Aggressionsverminderung geht. Im ersten Beispiel geht es um eine Maßnahme in einem Schulhof. Bietet man Kindern sinnvolle Aktivitäten an, so machen sie weniger Unsinn.
In diesem Experiment (Murphy 1983), das über 300 Kinder des ersten und zweiten Schuljahres sowie der Volkschule einschloss, wurden auf dem Schulhof einige Tage lang von Helfern Spiele organisiert (Seilspringen und Wettlaufen). In seltenen Fällen kam als weitere Maßnahme hinzu, dass Kinder für ernstere Verstöße für zwei Minuten auf die Strafbank mussten. Systematische Beobachtungen zeigten, dass Aggressionen wie Schlagen, Treten, Wegnehmen und zerstören von Gegenständen während der Spielphase deutlich seltener auftraten als in den Tagen vorher und nachher.
Man kann sagen, dass reizvolle Aufgaben und Aktivitäten ein wichtiges Prinzip zur Verminderung von Disziplinproblemen und manchmal auch von aggressiven Verhalten sind. Vermutlich wecken solche Anreger nicht nur die Motivation für sinnvolles Verhalten, sondern sie regulieren auch das Verhalten.
Auch im Falle akuter Frustrationen können Anreger das Verhalten in eine nichtaggressive Richtung lenken. Das könne Ablenkungen sein, z.B. belustigen oder Mitleid erregen (Baron 1976).
Experiment: Das in Frankreich durchgeführte Experiment (Moser und Levy-Leboyer 1985) beschäftigt sich mit Aggressionen in Telefonzellen, die weder funktionierten (erste Frustration) noch das Geld wieder rausgaben (zweite Frustration). Es zeigte sich, dass sowohl Schläge auf den Apparat als auch ausgesprochene Gewaltakte (Tritte mit voller Kraft) wesentlich seltener auftraten, wenn in der Zelle gut sichtbare Hinweise zum Verhalten in solchen Störfällen ausgehängt waren.
Da hier die momentan Frustration nur teilweise gemildert werden konnte, liegt der entscheidende Einfluss in der Anregung positiver Handlungsweisen für die Bewältigung der Situation.
Manchmal könne die alternativer Anreger lange Ketten destruktiver Interaktionen durchbrechen und somit den Einstieg in weiterführendes umlernen vorbereiten.
|