|
Bei der Feststellung des Aspirationsniveaus, das sich Kinder spontan setzen, wenn man sie zwischen verschiedenen Kraft- und Geschicklichkeitsübungen wählen lässt, zeigen sich ähnliche emotionale Reaktionen wie beim Wettbewerb.
Die 3½jährigen probieren verschiedene Aufgaben der Reihe nach durch, ohne Erfolgs- oder Misserfolgserlebnisse erkennen zu lassen. Zwischen 3½ und 4½ Jahren konnten schon deutliche Bemühungen der Kinder beobachtet werden, wodurch auch schon erste Erfolgs- und Misserfolgserlebnisse deutlich wurden. Ab der zweiten Hälfte des 5. Lebensjahres kann man das Vorhandensein des Aspirationsniveaus erkennen. Die Kinder ziehen aus Erfolg und Misserfolg bestimmte Konsequenzen und suchen die Aufgaben in Hinblick auf den möglichen Erfolg aus. Die Einschätzung der Leistungsfähigkeit ist hier schon sehr realistisch.
Weiters lassen sich auch individuelle Unterschiede der spontanen Leistungsbereitschaft erkennen. Ob sich diese Unterschiede in der Leistungsbereitschaft und im Anspruchsniveau auf eine endogene Komponente oder auf Erziehungseinflüsse zurückführen lassen, lässt sich nicht eindeutig sagen. Es zeigt sich allerdings, dass Kinder, die selbständiger sind, auch ein höheres Aspirationsniveau und eine stärkere Leistungsmotivation zeigen. Das Aspirationsniveau ist eng mit der Leistungsmotivation verbunden, es eine wesentlichen Komponente derselben.
Anne Müller fand durch eine Serie von Einpassaufgaben mit gestaffelter Schwierigkeit 3 Zielsetzungsformen:
1. Bei den 3- bis 4jährigen überwiegt die unbezogene Zielsetzungsform. Die Kinder wählen ihre Ziele unwillkürlich aus, ohne Bezug auf Leistung oder Erfolg.
2. Die 4jährigen stecken sich ihre Ziele starr und unangepasst. Sie wählen immer das gleiche Ziel (in der Regel das schwerste).
3. Im Alter von 5 bis 6 Jahren zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Zielsetzung und den vorangegangenen Leistungserfolgen. Hier findet sich eine deutliche Anspruchsniveaubildung mit entsprechendem Konfliktcharakter.
Beobachtungen von Heckhausen und Roelofsen zeigten auch, dass die ältesten Kinder ein sozialbezogenes Aspirationsniveau zeigen, das heißt, dass sie ihre Leistungen mit Leistungen anderer vergleichen.
Motiviertes Handeln besteht aus 3 Komponenten:
a.) die Wertorientierung (wie wichtig ist das angestrebte Ziel)
b.) die kognitive Komponente (Zielsetzung in bezug auf Zeit, mögliche Chancen und der Erfahrungen in der Vergangenheit)
c.) die emotionale Komponente (Furcht vor Misserfolg, Hoffnung auf Erfolg)
Bei Kleinkindern tritt die Wertkomponente sowie die emotionale Komponente bei Wettbewerbssituationen schon deutlich in Erscheinung. Die kognitive Komponente setzt erst mit dem Vorschulalter zwischen 5-6 Jahren ein. Eine voll entwickelte Leistungsmotivation mit dazugehöriger Anspruchsniveaubildung findet sich erst an der Wende zum Schulalter, wodurch dies auch als ein Kriterium der Schulfähigkeit gesehen werden kann.
(SCHENK-DANZINGER, S. 129-134)
|