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Evelyn Heinemann, Prof. Dr. phil., verbrachte einige Zeit auf Palau, einer Inselkette im Pazifischen Ozean, auf der bis heute eine matrilineare Kultur herrscht. Als Erkenntnisinstrumente in der fremden Kultur benützte sie vor allem die Selbstreflexion (Verstehen von innen), das bedeutet, daß der Forscher sich mit der fremden Kultur auseinandersetzt und der Interaktionspartner durch Gespräche und Beschreibung bestimmter Szenen beim Forscher emotionale Reaktionen auslöst, die seinen verinnerlichten Szenen entsprechen. Das heißt, das der Forscher sich in diesem Augenblick so fühlt wie sich sein Gesprächspartner in einer vergangenen Szene fühlte.
Die Frage die dabei im Mittelpunkt steht lautet: "Was löst der andere in mir aus?" Mit Hilfe ihrer psychoanalytischen Grundaubildung konnte Evelyn Heinemann ihre eigenen unbewußten Reaktionen später reflektieren und deuten. Außer der Sebstreflexion verwendete die Autorin ethnographische Erkenntnisse anderer Feldforscher, manifeste Inhalte von Gesprächen, und Dokumentationen aus dem Land selbst. Der Ethnopsychoanalyse geht es um das Verstehen des spezifischen Verhältnisses von Individuum und Gesellschaft, nicht um eine Abwertung oder Idealisierung anderer Kulturen.
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