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Ernst Kretschmer 1888-1964. Hauptwerk "Körperbau und Charakter" 1921. Ausgangspunkt: in klinischer Tätigkeit fiel auf, daß bestimmte psychische Störungen mit bestimmten körperlichen Konstitutionen in Zusammenhang stehen könnten. Kretschmer ging von 3 phänomenologischen (extremen) Körpertypen aus, denen er im nächsten Schritt in einem Diagnoseschema bestimmter Werte zuordnete, wobei er eine Vielzahl von Indizes benutzte.
Pykniker := starke Umfangsentwicklung der Eingeweidehöhlen, im Verhältnis grazile Ausbildung des Bewegungsapperats. pyknós: grch. gedrungen;
Leptosom := schlacksig; Spargeltarzen; geringes Dickenwachstum bei relativ großem Längenwachstum. leptós: grch. dünn.
Athlet: starke Skelett- und Muskelentwicklung
Dysplastische Wuchsformen: Anomalitäten, gleichzeitig starke Einschläge von verschiedenen anderen Kategorien, Verwüchse.
Mischtypen wie Du und ich sind mit diesem Schema nicht erfaßt. 3 Kategorien der psychischen Störungen:
Manie/Depression: i.d.R. zyklisch verlaufende Störung im affektiven Bereich, die Patienten ohne ersichtlichen Grund todtraurig oder übererregt/aggressiv machen
Schizophrenie: i.d.R. mit Halluzinationen und Denkstörungen/Einbildungen einhergehende progressive und (in Schüben verlaufende) Störung, endet unbehandelt meistens in Persönlichkeitszerfall. 3 Unterarten: paranoide S., hepephrene S. = "Jugendirresein": Beginnt im Jugendalter, Störungen im Ausdruckverhalten und Stimmungsschwankungen, katatone Schizophrenie: Unruhezustände, extreme Bewegungsstörungen mit Versteifungen bis zum Stupor (äußerliche Starrheit und Eindrucksunfähigkeit bei innerlicher Erregung bis zum Kreislaufzusammenbruch).
Epilepsie: hirnorganisches Anfallsleiden, je nach Schwere der Krampfanfälle Verstimmungen, kurzfristige Wahrnehmungstrübungen, Bewußtlosigkeit.
Ergebnisse der Korrelationen:
manisch-depressiv
Pygniker: 0,78
dysplastisch: -0,8
leptosom: -0,45
Schizophrenie:
Leptosom: 0,46
Pygniker: -0,43
Epilepsie:
dysplastisch: 0,53
Athlet: 0,32
Wolfgang Kretschmer, Sohn von E.K. führte dessen Arbeit weiter. Er definierte Temperament als "geformte Energiereserven in Elementarzuständen" und als umweltstabil. Aus dem (angeborenen) Temperament und den Umwelteinflüssen entsteht der Charakter. Nachfolgend eine von W.K. auf die Normalbevölkerung ausgedehnte Typologie, wobei er seine Befunde mit größeren VP-Zahlen (6.000) stützte.
Körperbau auffällige Dimension Bezeichnung für starke = pathologische Schwankung Bezeichnung für schwache =
normale Schwankung
pyknisch Stimmung/Affekt
"diathetische Proportion" zykloid (+Manie, - Depression) zyklothym (+ heiter, - traurig)
leptosom Empfindlichkeit
"psycho-ästhetische Proportion" schizoid (+ überschnell reizbar,
- Stumpfheit) schizothym (+ sensibel, - kühl)
athletisch Flüssigkeit der motorischen/affektiven Abläufe "entonische Proportion" epileptoid (+ explosive Entladungen, - Langsamkeit, Zähflüssigkeit) barykinetisches Temperament
(+ abrupter, - phlegmatischer Spannungsablauf)
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